Recorder Magazine




(Bild: André Hinderlich)
 
 
... und es kommt noch besser: Philipp uns ich zieren die aktuelle Ausgabe des "Recorder Magazine" - wir sind das Titelbild!!
Wer die Zeitschrift nicht ohnehin in seiner Hochschulbibliothek einsehen kann, findet die Herbstausgabe 2014 auch im Internet unter http://www.recordermagazine.co.uk/

Vielen Dank an André Hinderlich, der dieses Bild von uns gemacht hat!

Es ist eine besondere Ehre auf dem Cover dieser Zeitschrift zu sein!

An dieser Stelle sei auch schon eingeladen zu meinem Recital am 15.11.2014 im Rahmen des Greenwhich Early Music Festival.
Als Gewinnerin der letztjährigen Moeck/SRP Competition freue ich sehr, dieses Konzert spielen zu dürfen. Das Programm (s.u.) steht unter dem Motto "Panta rhei" und beschäftigt sich mit Jahres- und Lebenskreisläufen:


PANTA RHEI



Jaques Martin Hotteterre (1674-1763)

Prélude in D

(L'art de préluder, Paris 1719)


***


Giovanni Bassano (1558-1617)

Ricercata Terza

(Ricercate, Passaggi et Cadentie … , Venezia 1585)


Johann Heinrich Schmelzer (~ 1623-1680)

Sonata Quarta

(Sonatae unarum fidium, seu a violino solo, Nürnberg, 1664)


***


Giorgio Tedde

Austro
***

Thomas Preston ( +1563)

Upon La Mi Re

(London British Library 29996)


G.Ph. Telemann (1681-1767)

Sonate in h-Moll TWV 41:h4

(Musique de table, 1733)


***
Philippe Verdelot (~ 1480-15629

Benche'l misero cor

(Diminution: Anne-Suse Enßle)


A Division on a Ground by Mr. Finger

(The First Part of the Division Flute, London, 1706)


Robert de Visée (~1650-1725)

Suite in a

(Pieces de Theorbe et de Luth mises en Partition, Dessus et Basse, Paris 1716)
 
 
 
Panta rhei - Text zum Programm

Thema dieses Konzertprogramms sollen verschiedene Kreisläufe des Lebens aber auch der Natur ganz allgemein sein. Das Programm ist grob unterteilt in Abschnitte, die „Frühling“, „Sommer“, „Herbst“ und „Winter“ oder auch Entsprechungen im menschlichen Leben darstellen können – aber nicht müssen. Auch sind die Abschnitte nicht klar voneinander getrennt. Immer wieder ergeben sich Übergänge und Überschreitungen.
Übergeordnet ist das „Prélude in D“ von Jaques-Martin Hotteterre le Romain. Als Teil seiner berühmten Schule „Les principes de la flûte“ zeigt es in anschaulicher Weise, wie harmonisch komplex ein Prélude gestaltet sein kann: Im Laufe des Stücks wird auf allen Stufen der Tonart D kadenziert. Die so erreichte harmonische Vollständigkeit bewegte mich dazu, dieses Stück als Prolog an den Anfang zu setzen.
Außerdem gibt es in jedem Abschnitt ein Stück, das mit den Mitteln der Variation über einen ostinaten Bass arbeitet. Dies ist im ersten Teil die Sonata Quarta von Johann Heinrich Schmelzer, im dritten Teil Thomas Prestons „Upon La Mi Re“ und im letzten Teil der Ground von Godfrey Finger. Der zweite Teil besteht überhaupt nur aus einem Stück: „Austro“ von Giorgio Tedde. Das liegt einerseits daran, dass diesem Stück bereits die Variationsform zu Grunde liegt, andererseits ist dieses Stück so raumgreifend, dass es meines Erachtens diesen Abschnitt alleine ausfüllen kann.
Diese Stücke habe ich ausgewählt da sie sehr zyklisch strukturiert sind und so die Programmidee noch einmal aufgreifen und vier mal auf völlig unterschiedliche Weise darstellen.
Der erste Teil symbolisiert für mich Frühling, Jugend und Aufbruch, Frische und Leichtigkeit. Sowohl die Ricercata mit ihren suchenden Gesten, die im Laufe des Stückes bestätigt werden als auch der Sonate von Schmelzer, die sich über einem ostinaten Bass langsam entwickelt, bis dieser schließlich durchbrochen wird sind charakteristisch für diese Empfindungen.
Bei „Austro“ von Giorgio Tedde kann man sicherlich schnell flirrende Hitze und heißen Wüstenwind assoziieren. Es handelt sich hierbei um eines der herausforderndsten Repertoirestücke für die Blockflöte. Mittels Permanentatmung wird die Illusion von endloser Weite erzeugt, virtuose Fingerpatterns sorgen für das Gefühl von flirrender Hitze.
Eines der faszinierendsten Stücke des Programms ist wohl „Upon La Mi Re“ von Thomas Preston. Hier werden zum verwendeten ostinaten Bass wagemutige Melodien kombiniert, die (aus heutiger Zeit betrachtet) wohl als „seiner Zeit weit voraus“ gewertet werden können. Kombiniert wird dieses nachdenkliche Stück mit der Sonate in h-Moll von Telemann, die aus der Tafelmusik stammt. Diese Sonate vereint ebenfalls nachdenkliche, aber auch energische Elemente in sich und befindet sich meines Erachtens am Schnittpunkt vom „Herbst“ zum „Winter“.
Der „Winter“ vereint in diesem Programm unerfüllte Liebe (Verdelot) und die würdige Ästhetik de Visées. Unterbrochen werden beide Werke von einem Ground. Die Diminutionen zu „Benche'l misero cor“ habe ich im Stil von Sylvestro Ganassis „Opera intitulata la Fontegara“ geschrieben. Robert de Visées Suite ist ebenfalls eine Bearbeitung, allerdings eine zeitgenössische: Seine berühmten Lautenwerke wurden wegen ihrer extremen Beliebtheit für Melodieinstrument und Bass bearbeitet. Aus den vielen einzelnen Stücken, die in dieser Sammlung zu finden sind, habe ich die „Sonate in a“ zusammengestellt.
Gleichzeitig spannt der französische Stil dieser Komposition wieder einen Bogen zu Jaques-Martin Hotteterre und seinem „Prélude“: Der Kreislauf könnte von Neuem beginnen.